Arbeit 4.0 | Arbeitswelt | Digitalisierung | Wandel | Definition | Moderne | Zukunft | Veränderung | Auswirkungen 

Arbeit 4.0 (Digitalisierung & Wandel der Arbeitswelt) – Definition, Veränderung & Auswirkung

„Arbeit 4.0“, „Arbeitswelt“ und „Digitalisierung“ – seit vielen Jahren wird über diese Begriffe diskutiert. Galten sie früher einmal als Zukunftsmusik sind sie heute aktueller denn je, denn die Zukunft ist jetzt. Wir befinden uns inmitten der Entwicklungen der „Arbeit 4.0“. Doch was verbirgt sich hinter dieser Bezeichnung? Wir vom Mitteldeutschen Institut für Qualifikation und berufliche Rehabilitation (MIQR) haben Ihnen alle relevanten Informationen zusammengestellt und erklären Ihnen hier, was unter „Arbeit 4.0“, „Arbeitswelt“ und „Digitalisierung“ zu verstehen ist.

 

Inhaltsverzeichnis
Definition „Arbeit 4.0“
„Arbeit 4.0“ vs.  „New Work“?
Digitale Kompetenzen beim MIQR
Wandel der Arbeitswelt
Veränderungen in der Arbeitswelt 4.0
Herausforderungen des digitalen Zukunft
Auswirkungen des Wandels
Studien zu Arbeit 4.0
Kritik an „Arbeit 4.0“

Definition „Arbeit 4.0“

Der Begriff „Arbeit 4.0“ taucht immer wieder in den Medien auf und sorgt für Diskussionen. Das Spannende daran ist, dass wir uns bereits mitten in der Entwicklung befinden, die mit der Arbeit 4.0 einhergeht. Sie resultiert aus einer weiteren industriellen Revolution. Dieses Mal geht es dabei jedoch nicht um Dampfmaschinen und die Lean Production, sondern um Digitalisierung und Automatisierung. Während der Computer in den 70er Jahren salonfähig wurde, ist er heute in der Arbeitswelt und in der Freizeit nicht mehr wegzudenken. Arbeit 4.0 beschreibt genau jene Entwicklung: der essentielle Anteil computergesteuerter Technik in der Arbeitswelt. Anders, als es zu erwarten wäre, geht es hierbei jedoch nicht allein um die Maschinen. Im Fokus der Diskussionen rund um Arbeit 4.0 steht der Mensch und wie er mit der zunehmenden Digitalisierung und Automatisierung umgeht, wie sich die Arbeitswelt verändert und welche Auswirkungen all das hat.
Im Weißbuch Arbeit 4.0 vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) heißt es hierzu:

BMAS zu Arbeit 4.0

Bereits bei diesem Ausschnitt aus dem Glossar des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales wird deutlich, dass die Fragen rund um die Arbeit 4.0 nicht geklärt sind. Immer wieder kehren die Diskussionen auf den Punkt der Ersetzung des Menschen durch die Maschine zurück. Doch ist diese Angst wirklich begründet? Dieser Frage gehen sämtliche Veranstaltungen nach, die sich mit den neuen Herausforderungen der Arbeit 4.0 auseinandersetzen.

„Arbeit 4.0“ vs. „New Work“?

Die Übergänge zwischen „Arbeit 4.0“ und „New Work“ sind fließend. Es ist schwierig, eine genaue Differenzierung zu treffen, da beide Begriffe ähnliche Themen abdecken. Dennoch kann festgehalten werden, dass sich „Arbeit 4.0“ eher mit dem Einfluss der Technik auf das Arbeitsleben auseinandersetzt, während „New Work“ den Fokus auf die Nutzung dieser Technik legt. Auf diese Weise wird im „New Work“-Modell Technik zum Werkzeug. Bei der „Arbeit 4.0“ setzt hingegen eine Konfrontation mit der Technik ein, auf die reagiert werden muss. Somit geht es in beiden Ansätzen um den Menschen, jedoch ist die Herangehensweise unterschiedlich. Dieser Beitrag soll sich nicht damit auseinandersetzen, wie Sie die Technik am besten als Ihr Werkzeug nutzen können, sondern wie Sie bestmöglich damit umgehen, dass die Technik immer mehr Einzug in die Arbeitswelt erhält.

Digitale Kompetenzen beim MIQR

Digitale Kompetenzen beim MIQR

Auch beim Mitteldeutschen Institut für Qualifikation und berufliche Rehabilitation (MIQR) haben Sie die Möglichkeit, Ihre Kenntnisse in den Bereichen IT und EDV zu vertiefen. Mit einer solchen Maßnahme können Sie auf die technologische Entwicklung reagieren. In den überbetrieblichen Ergänzungslehrgängen können Sie Module neben Ihrer Ausbildung wählen. Uns ist bewusst, dass nicht jeder Ausbildungsbetrieb sämtliche Kenntnisfelder 100%ig abdecken kann. Deshalb können Sie bei uns bspw. Kurse zu den Themen „EDV“ oder „Informations- und Kommunikationssysteme“ belegen und absolvieren. In der kaufmännischen betriebswirtschaftlichen Qualifikation (kbQ) können Sie Ihre Kenntnisse in Ihrem kaufmännischen Beruf vertiefen. Dies ist vor allem wichtig, wenn Sie nach längerer Krankheit wieder einsteigen möchten, aber sich Ihr Arbeitsplatz technologisch stark verändert hat.

Wir bieten zudem sowohl eine Weiterbildung zur Fachkraft E-Commerce (E-Com) als auch eine Umschulung zum/zur Kaufmann/-frau im E-Commerce (K E-Com) an. Hier eröffnet sich Ihnen die Möglichkeit in Bereich des Onlinehandels beruflich tätig zu werden und von aussichtsreichen Perspektiven der Branche zu profitieren. Weitere attraktive Berufsfelder, welche zunehmend dem Wandel der Digitalisierung unterliegen, sind das Gesundheitswesen sowie der Groß- und Außenhandel. Auch hier haben Sie die Möglichkeit, eine Umschulung zum/zur Kaufmann/-frau im Gesundheitswesen (KiG) oder für Groß- und Außenhandelsmanagement (KGA) zu absolvieren.

Der digitale Wandel ist auch beim Mitteldeutschen Institut angekommen, denn wir bieten beispielsweise die Module der Kaufmännisch Modularen Qualifikation (KMQ) und die Kurse der Modularen Weiterbildung (MWe): Lager/Logistik, Wach- und Sicherheitsdienst, Hauswirtschaft, Helfer in der Altenpflege sowie Betreuungskraft/Alltagsbegleiter auch online über unsere digitale Lernplattform an.

Wandel der Arbeitswelt

Im Verlauf der Geschichte gab es bereits viele industrielle Revolutionen. Wir befinden uns derzeit mitten in der vierten industriellen Revolution. Eine Revolution geht immer mit rasanten Umwälzungen einher – so auch zu der gegenwärtigen Zeit. Doch vor der aktuellen Revolution haben sich schon drei weitere vollzogen. Um diese Entwicklung soll es nun gehen.

Wandel der Arbeitswelt im Überblick

Arbeit 1.0

Die erste industrielle Revolution setzte Ende des 18. Jahrhunderts in England ein. Die Erfindung der Dampfmaschine ermöglichte von da an den Einsatz erster Maschinen auch in industriellen Unternehmen. Auf diese Weise konnte die Produktion gesteigert werden und erste Ansätze der Massenproduktion waren ersichtlich. Parallel zu diesen technischen Neuerungen entstanden erste Arbeiterorganisationen.

Arbeit 2.0

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts folgte schließlich die zweite industrielle Revolution: die Einführung von Fließbändern, die die Massenproduktion weiter vorantrieb. Den Durchbruch dafür lieferte die Nutzbarmachung elektrischer Energie in Form von Elektrizität. Dadurch konnten Maschinen ausgebaut und anders betrieben werden. Das führte letztlich auch dazu, dass sich Produktionsmodelle wie die Lean Production, deren Ursprünge auf Henry Ford mit dem Lean Manufacturing zurückzuführen sind, durchsetzen konnten. Arbeitsschritte wurden kleinschrittiger und insgesamt an mehr Menschen verteilt, so dass effizient und schnell produziert werden konnte.

Arbeit 3.0

Die dritte industrielle Revolution setzte mit den 1970er Jahren ein. In dieser Zeit konnten Computer zum ersten Mal kommerziell vermarktet werden. Sie waren nicht länger ausschließlich Teil von Forschungseinrichtungen, sondern waren auch in Büros und im Privat-Haushalt verfügbar. Mit dieser neuen Verfügbarkeit moderner Technik war es möglich, die Produktionsmechanismen zu verbessern und auf diese Weise mehr Arbeitsschritte zu automatisieren.

Arbeit 4.0

Die aktuellen Entwicklungen führen schließlich zur vierten industriellen Revolution, die mit der Nutzung des Internets einhergeht. Der Grundsatz der vierten industriellen Revolution steht unter dem Motto der Mobilität und der Digitalisierung. Das bedeutet, dass das Arbeiten nicht mehr standortgebunden ist, sondern ebenso aus der Ferne gesteuert werden kann. Hierzu dienen neue technische Möglichkeiten wie Clouds, auf welche von überall her Zugriff erfolgen kann. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Unternehmen und Betriebe, sondern ebenso auf die Arbeitswelt. Mitarbeiter sind nicht mehr nur an einen Ort gebunden, sondern können, je nach Bereich, von jedem Ort aus arbeiten.

 

Veränderungen in der Arbeitswelt 4.0

Mit dem Eintritt in das Zeitalter der Arbeit 4.0 lassen sich Veränderungen in der Arbeitswelt beobachten. Diese sind vor allem von der technologischen Entwicklung geprägt, so dass die Digitalisierung im Fokus steht. Dennoch sind davon nicht nur technische Neuerungen betroffen, sondern auch Fragen der Arbeitsorganisation und des Aufbaus von Unternehmen. Hier haben wir alle wichtigen Punkte für Sie zusammengestellt, damit Sie im Überblick erfahren, welche Veränderungen mit der Arbeit 4.0 eintreten können.

Digitalisierung des Arbeitsplatzes

Die Verfügbarkeit einer Internetverbindung gehört schon seit einigen Jahren zur Grundausstattung eines Arbeitsplatzes. Viele Prozesse können auf diese Weise digital gesteuert werden und werden damit erleichtert, da die Kommunikationswege kürzer sind. Aufschluss darüber gibt auch eine Studie des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) aus dem Jahre 2016, in welcher gezeigt werden konnte, dass über 80 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland für ihren Job digitale Informations- oder Kommunikationstechnologien verwenden, die auch mobil genutzt werden können. Nicht nur die Informations- und Kommunikationstechnologien sind in diesen Bereichen inbegriffen, sondern ebenso die Produktionsmaschinen. Diese funktionieren zu großen Teilen automatisiert, so dass viele Prozesse effizient ablaufen können.

Hauptbestandteile der Digitalisierung liegen in der enormen Verfügbarkeit von Computern, die mobil einsetzbar sind. Außerdem können sich sogar die Geräte untereinander vernetzen, so dass ein automatischer Austausch bezüglich technischer Details stattfindet. Auch der 3-D-Druck ist ein essentieller Bestandteil der Digitalisierung, der in den vergangenen Jahren immer stärker aufgekommen und nun nicht mehr wegzudenken ist. Unter Big Data versteht man hingegen das Filtern und Analysieren großer Datenmengen, das automatisch erfolgt und zur Verfügung gestellt wird. Auch die Entwicklung künstlicher Intelligenz in Form von selbsthandelnden Maschinen ist längst nicht mehr aus der Produktion wegzudenken.

 Flexibles Arbeiten

Mit der Digitalisierung des Arbeitsplatzes geht auch eine Verstärkung der Mobilität einher. Arbeitnehmer sind nicht länger orts- und zeitgebunden. Die Arbeitswelt wird von einer Flexibilität bestimmt, die Vor- und Nachteile mit sich bringt. Mit der zunehmenden Digitalisierung ist eine ständige Verfügbarkeit möglich, so dass Arbeits- und Privatleben ineinander übergehen. Doch gleichzeitig können, bei der Festlegung klarer Grenzen, auch individuelle Tagesabläufe eingeführt werden. Dadurch ist es möglich, dass Arbeitszeiten und -orte individuell festgelegt werden können. Damit entstehen Vorteile für Arbeitnehmer mit Familien oder auch Menschen mit Mobilitätseinschränkungen. Denn durch die zeitliche und örtliche Flexibilität können mehr Menschen insgesamt am Arbeitsleben teilhaben und es kann eine bessere Work-Life-Balance erreicht werden, wenn Regeln bezüglich der mobilen Verfügbarkeit eingeführt sind.

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Neue Organisation & Führungsstile

Bei der Organisation eines Unternehmens geht es nicht länger um die Etablierung einer steilen Hierarchie, stattdessen ist der Trend erkennbar, dass hierarchische Systeme immer mehr abgelöst werden durch eine neue Verteilung von Verantwortlichkeiten. Statt verschiedener Abteilungsleiter gibt es verschiedene Prozessverantwortliche, die für bestimmte Abläufe verantwortlich sind. Auf diese Weise werden die Verantwortlichkeiten stärker aufgeteilt und die Zusammenarbeit steht im Fokus. Diese Umstrukturierung wird auch als „Demokratisierung“ bezeichnet. Damit wird die einzelne Führungskraft durch ein Team aus Führungspersönlichkeiten abgelöst. Es gilt nicht mehr, dass ein Einziger delegiert, sondern dass alle am Funktionieren des Unternehmens beteiligt sind. Auf diese Weise erhalten die Arbeitnehmer mehr Handlungsspielraum und die Führungskräfte werden entlastet. Denn im Zuge der Digitalisierung erscheint es unmöglich, dass eine Person alle Aufgaben im Blick behalten kann.

Digitale Kompetenzen

Dadurch, dass das Arbeiten nun anders funktioniert und sich eine neue Organisation ergibt, werden von den Arbeitnehmern neue Kompetenzen gefordert, damit die Arbeitswelt erfolgreich gestaltet werden kann. Vor allem die digitale Kompetenz ist hierbei von besonderer Wichtigkeit. Wenn die Digitalisierung immer mehr voranschreitet, verändern sich auch die Arbeitsprozesse. Die Kommunikation erfolgt nicht mehr direkt mit dem Ansprechpartner vor Ort, sondern findet vor allem digital mit Menschen an allen Orten der Welt statt. Damit dies gelingen kann, müssen die Arbeitnehmer auf solche Wandlungen vorbereitet sein und mit der Technik umgehen können. Auch die daraus resultierende Veränderung des unternehmerischen Hierarchieprinzips erfordert von den Arbeitnehmern eine Anpassung an die neuen Gegebenheiten.

Lebenslanges Lernen

Während sich die Arbeitswelt verändert und die Digitalisierung weiter voranschreitet, werden Weiterbildungen umso wichtiger. Denn nur auf diese Weise können die Arbeitnehmer auf den sich verändernden Arbeitsplatz reagieren. Dazu gehört selbstverständlich der Umgang mit der Technik oder auch das Finden einer neuen beruflichen Nische, wenn die eigene von den Maschinen bedroht wird. Dadurch wird das Berufsleben vom lebenslangen Lernen geprägt.

Elke Frank, Leiterin der Personalentwicklung von T-Systems und damit Verantwortliche für etwa 200.000 Mitarbeiter, kommentierte hierzu in einem Interview mit Deutschlandfunk Kultur:

Lebenslanges Lernen - Wie soll es funktionieren?

Damit betont Elke Frank die Wichtigkeit lebenslangen Lernens und zeigt auf, inwiefern das Lernen zum Grundkonzept der digitalisierten Arbeitswelt wird. Denn nur, wer seine Kompetenzen ausbaut und sein Wissen erweitert und vertieft, kann in der neuen Arbeitswelt auf Dauer bestehen.

Die Notwendigkeit des lebenslangen Lernens nimmt vor allem einen so großen Raum ein, da Experten davon ausgehen, dass viele der heute existierenden Arbeitsplätze in Zukunft von Robotern besetzt werden könnten. Dabei handelt es sich vor allem um leichte Arbeiten, die heute noch händisch ausgeführt werden. Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass in anderen Berufsfeldern mehr Fachkräfte benötigt werden – vor allem in der IT ist damit zu rechnen, dass mehr Arbeitsplätze entstehen werden.

Monitoring-Report

Herausforderungen des digitalen Wandels

Die Herausforderungen des digitalen Wandels hängen vor allem mit dem aktuellen Bildungssystem zusammen. Es bleibt fraglich, inwiefern konstruktiv und produktiv auf den digitalen Wandel reagiert werden kann, damit die Arbeit 4.0 nicht scheitert, sondern weitergeführt wird. Beim BarCamp Arbeit 4.0 der Bertelsmann Stiftung stellte Gunter Dueck, der früher bei IBM arbeitete, heraus, dass das Bildungssystem dem Fortschritt hinterherhinkt.

Lebenslanges Lernen & das Bildungssystem

Damit betont er, dass die Herausforderung darin liegt, das lebenslange Lernen so umzusetzen, dass es mit der neuen Arbeitswelt aufeinandertrifft und nicht parallel an dieser vorbeiläuft.

Darüber hinaus liegt auch in der flexiblen Einteilung von Arbeitszeit und -ort eine Gefahr, die berücksichtigt werden muss. Denn mit der flexiblen Gestaltung der Arbeitsweise kann es zu einer Übergriffigkeit in das Privatleben kommen. Anstelle der klaren Unterscheidung zwischen Arbeits- und Privatleben tritt letztlich der fließende Übergang beider Bereiche. Mit dieser Entwicklung muss richtig umgegangen werden. Hierbei gilt es, das richtige Maß zu finden.

Auch in Bezug auf die zunehmenden Zahlen der Selbstständigen gibt es Handlungsbedarf. Denn diese sind durch ihre besondere Beschäftigungsform nicht zu Sozialabgaben verpflichtet. Das kann letztlich dazu führen, dass sie im Alter nicht abgesichert sind und auf weitere Hilfen angewiesen sind, die sie nicht in Anspruch nehmen können, da sie nicht in die Sozialversicherungen eingezahlt haben. Es droht die Altersarmut. Auf diese Entwicklung muss eine angemessene Reaktion erfolgen.

Auswirkungen des Wandels

Mit den neuen Herausforderungen, die der Wandel zur digitalen Arbeit 4.0 mit sich bringt, ergeben sich bereits jetzt Auswirkungen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber, die nicht vernachlässigt werden sollten. Sowohl das Schicksal der Beschäftigten, als auch die Riege der Unternehmer sind eng miteinander verwoben in dieser Entwicklung. Alle Auswirkungen betreffen beide Parteien bis zu einem gewissen Grad.

Die Arbeitnehmer beklagen sich vor allem über eine größere Arbeitsintensität, die von ihnen abverlangt wird, wie eine Befragung der Hans Böckler Stiftung zeigt. Dabei handelt es sich um insgesamt 78% der Befragten. Dadurch kommt es zu einer Gefährdung der psychischen und physischen Gesundheit. In diesem Zusammenhang beklagen sich die Arbeitnehmer über einen Personalmangel, dauerhaften Zeitdruck bei der Erfüllung ihrer Aufgaben und fehlende Beurteilungen zur gesundheitlichen Gefährdung im Unternehmen.

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Im Umkehrschluss bedeutet das für die Unternehmen, dass eine größere Unzufriedenheit unter den Angestellten herrscht. Dies ist auf die permanente Verfügbarkeit der Angestellten zurückzuführen, aber auch auf die ausbleibende Weiterbildung in den Bereichen, die für den digitalen Wandel relevant sind. Derzeit deutet es sich also an, dass eine negative Entwicklung mit dem Konzept der Arbeit 4.0 einsetzt.

Schlüsselkonzepte des Wandels

Jedoch sollten hierbei die Chancen nicht außer Acht gelassen werden. Durch die Entwicklung zur Arbeitswelt 4.0 können sich neue Unternehmensstrukturen ergeben, von denen sowohl Arbeitgeber, als auch Arbeitnehmer profitieren können. Dafür ist es notwendig, dass die Unternehmen eine kommunikative Organisation befürworten. Auf diese Weise können neue Formen der Arbeit erfolgreich umgesetzt werden, in denen Zeit-Souveränität, Gesunderhaltung, Kompetenzentwicklung und Teilhabe zu Schlüsselkonzepten werden. Mit diesen Zielsetzungen kann eine höhere Zufriedenheit unter den Arbeitnehmern hergestellt werden, was letztlich zu einer größeren Produktivität beiträgt. Die neue Arbeitswelt kann sich somit positiv auf Unternehmen und Arbeitnehmer auswirken, wenn die Beteiligten in einen Dialog treten und dazu bereit sind, die Zukunft gemeinsam zu gestalten.

 

Studien zu Arbeit 4.0

Da der Begriff der „Arbeit 4.0“ immer noch viel Diskussionsbedarf mit sich bringt, werden zu diesem Thema unterschiedliche Studien durchgeführt, welche allerdings weniger auf klaren Daten beruhen, als viel mehr auf Befragungen und Diskussionsrunden. Solche Ergebnisse wurden u.a. vom Bundesministerium für Arbeit & Soziales, von der Bertelsmann Stiftung und der Deutschen Telekom AG zusammengetragen. Diese sollen hier kurz vorgestellt und zusammengefasst werden.

Studien zur Arbeit 4.0

Bundesministerium für Arbeit & Soziales (BMAS)

Im November 2016 veröffentlichte das Bundesministerium für Arbeit & Soziales das Weißbuch zum Thema „Arbeiten 4.0“. Die Ergebnisse, die darin zu finden sind, sind das Resultat vieler Dialoge zwischen Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verbänden, sowie Bürgerinnen und Bürgern der Bundesrepublik Deutschland. Das Ergebnis dieser Diskussionen zielt vor allem auf eine Arbeitswelt ab, die Sicherheit und Flexibilität vereint. Das bedeutet, dass die flexible Arbeitsgestaltung sozial abgesichert sein muss, da nur auf diese Weise zu erwarten ist, dass die Arbeitnehmer dem Wandel positiv entgegenblicken. Genauer soll dies dadurch erreicht werden, dass die Gehälter fair gestaltet werden. Dazu gehören auch tarifliche Bestimmungen, die die Gehaltsschere zwischen Frauen und Männern schließt und somit eine gerechte Entlohnung garantiert. Außerdem soll jedem eine Einstellung in eine gute Arbeit garantiert werden. Das bedeutet auch, dass Weiterbildungen und Zusatzqualifikationen gefördert werden. Hingegen sollen althergebrachte Arbeitsmodelle hinterfragt und umgestaltet werden. Dazu gehört eine bessere Balance zwischen Arbeits- und Privatleben. Dies soll dadurch erreicht werden, dass verschiedene Arbeitszeitmodelle individuell angewendet werden können. Damit all dies gelingen kann, ist es notwendig, dass die Arbeitnehmer an den anstehenden Umwälzungen partizipieren und diese aktiv mitgestalten.

Bertelsmann Stiftung

Die Bertelsmann Stiftung hat im Juni 2015 ein BarCamp in Berlin veranstaltet, zu dem etwa 160 Experten aus den Bereichen der Wirtschaft, Wissenschaft und Politik aufeinandertrafen. Unter dem Titel „Arbeit 4.0 – Wie werden wir in Zukunft arbeiten?“ wurde über die Zukunft der neuen Arbeitswelt diskutiert. Daraus ergaben sich vor allem Beobachtungen und Zukunftsprognosen, die von den einzelnen Expertenrunden herausgearbeitet wurden. Für die Diskutanten stellte sich heraus, dass das Konzept des festen Arbeitsplatzes in Zukunft nicht mehr haltbar sei und dass sich ein Trend hin zu abgeflachten Hierarchien und mehr Teilhabe der Arbeitnehmer abzeichne. Daraus resultiere auch eine besser ausgebaute Kommunikation. Bei all diesen Veränderungen müsse allerdings auch eine Bereitschaft zum lebenslangen Lernen gefordert werden, da die Entwicklung sonst nicht erfolgreich ablaufen könnte.

Megatrends (Deutsche Telekom AG)

Die Telekom hat in Kooperation mit der Universität St. Gallen eine Befragung von 60 Experten durchgeführt. Gesprächspartner waren dabei Manager, Akademiker, IT-Experten, Unternehmensberater und Gewerkschaftsvertreter. Das Ergebnis fiel einstimmig aus, dass sich die Arbeitswelt drastisch verändern würde und eine Reaktion darauf erforderlich wäre. Bei der Befragung jener Experten stellte sich ebenfalls heraus, dass die Partizipation der Arbeitnehmer zunehmen müsste. Auch die Bestimmung der Arbeitsbedingungen soll auf Seite der Angestellten liegen, so dass nicht Präsenz letztlich von Belang ist, sondern allein das erbrachte Ergebnis. Bei den Führungskräften vermuten die Experten den Trend zur Mitarbeitermotivation statt zur Kontrolle. Damit geht auch eine flachere Hierarchie im Unternehmen einher, die sich bereits andeutet. Unternehmen sollen hierbei mehr werden, als nur Arbeitgeber, sie sollen sich eher zu Gemeinschaften entwickeln, für welche die Arbeitnehmer gerne tätig sind. Zudem stellten die Experten heraus, dass Kreativität immer wichtiger werden würde, diese aber mit digitalen Kompetenzen verbunden sein muss.

Kritik an „Arbeit 4.0“

Mit den Möglichkeiten, die Arbeit 4.0 mit sich bringt, gibt es dennoch auch einige Nachteile, die von Kritikerstimmen angeführt werden. Selbstverständlich handelt es sich dabei um eine konstruktive Kritik, die dazu genutzt werden kann, das Konzept der Arbeit 4.0 besser zu gestalten, so dass es erfolgreich umgesetzt werden kann.

Hoher Wettbewerb

Mit der Zunahme digitaler Vernetzungsmöglichkeiten, nimmt direkter, persönlicher Kontakt ab. Dies schlägt sich vor allem in der Dienstleistungsbranche nieder. Die Menschen müssen nicht mehr in ein Geschäft gehen, um beraten zu werden oder Dinge zu kaufen. Im Internet gibt es bereits genug Programme, die die persönliche Beratung ersetzen und Plattformen, auf denen eingekauft werden kann – sei es Kleidung, Technik oder sogar Lebensmittel. Diese Entwicklung des Internets ermöglicht es Selbstständigen und Freiberuflern jedoch auch, dass sie eine größere Reichweite erzielen können und auf diese Weise mehr Aufträge erhalten. Gleichzeitig ergibt sich daraus jedoch auch ein viel größerer Wettbewerb, so dass nur noch derjenige profitieren kann, der das beste Angebot liefert und seine Arbeit damit gegebenenfalls unter Wert verkauft.

Permanente Verfügbarkeit

Neben diesen Problemen ergeben sich durch die digitale Vernetzung weitere Schwierigkeiten, die in einer stärkeren Belastung der Arbeitnehmer resultiert. Die höhere Verfügbarkeit durch Handys und Laptops oder Tablets bewirkt einen Übergriff der Arbeitswelt in das Privatleben, wenn keine klaren Regeln getroffen sind. Auf diese Weise wird der Stress, der auf die Arbeitnehmer einwirkt erhöht. Dadurch kann es zu stressbedingten Krankheiten wie Burn-Out und Depressionen kommen. Eine stichprobenartige Studie der Bertelsmann Stiftung arbeitete heraus, dass etwa ein Drittel der befragten Arbeitnehmer unter Stress leidet, der von der Arbeit bedingt wird.

Belastungen im Arbeitsalltag

Der gläserne Arbeitnehmer

Auch soziale Netzwerke können für den Arbeitnehmer zum Nachteil werden. Viele Firmen greifen auf jene Plattformen zurück, um ihre Mitarbeiter zu überprüfen oder sich mit ihnen zu vernetzen. Dadurch können auch Urlaubsfotos für den Arbeitnehmer negativ ausgelegt werden, die dieser während einer Krankmeldung im Internet veröffentlicht. Dadurch wird der Angestellte gewissermaßen zu einem gläsernen Arbeitnehmer.

Fazit

Der Begriff der „Arbeit 4.0“ bleibt auch nach näherer Betrachtung ein Arbeitsfeld, das lange noch nicht ausgeschöpft ist. Erst allmählich wird sich zeigen, ob die Trends und Prognosen sich als produktiv erweisen. Zwar befinden wir uns bereits mitten in der Entwicklung, doch kann noch nicht festgestellt werden, wie gut die neuen Ansätze funktionieren. Es scheint jedoch von besonderer Wichtigkeit zu sein, dass Sie sich ständig weiterentwickeln, indem Sie Weiterbildungsangebote in Anspruch nehmen. Gerne beraten wir Sie zu unseren Weiterbildungsmöglichkeiten beim MIQR.

Bei Interesse oder Fragen können Sie sich jederzeit an uns wenden. Melden Sie sich einfach online über das Anfrageformular oder telefonisch unter der 0800 77 89 100.

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