Kostenträger | DRV | Komplexe PTBS

Vortrag für Kostenträger (DRV & Co.) – Komplexe PTBS & Co.

Anfang Februar hießen wir Beraterinnen und Berater der Deutschen Rentenversicherung, der Agentur für Arbeit und des Jobcenters beim Mitteldeutschen Institut Chemnitz in großer Zahl willkommen, um gemeinsam auf das Jahr 2019 zurückzublicken. Mit diesem Jahresauftakt läuteten wir offiziell 2020 ein und stellten neben vergangenen Entwicklungen auch einen Ausblick vor.

Während des Kostenträgertreffens stellten unsere Arbeitspsychologen und Sozialpädagogen wichtige Themen vor, die für den Umgang mit unseren Teilnehmenden relevant sind. Dabei handelte es sich um neu anerkannte Krankheitsdiagnosen im Bereich psychischer Störungen mit einem Schwerpunkt auf der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) und Veränderungen im Bereich des Burnouts. Auf diese Weise konnten die Vertreterinnen und Vertreter der Kostenträger den Besuch beim MIQR für den Erhalt von Weiterbildungspunkten anerkennen lassen. Denn die fundierten Fachvorträge von Dr. Staffel, Frau Lausmann und Herr Handrick boten einen spannenden Einblick in den Bereich psychischer Erkrankungen, die für die Arbeit relevant sind.

Im Jahr 2019 wurde die neue Ausgabe der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD) verabschiedet. In der neuen Edition, die ab Januar 2022 verfügbar sein wird, werden neue Krankheitsbilder aufgenommen und andere mit einer neuen Definition versehen. Auf diese Weise soll eine Behandlung psychischer Erkrankungen erleichtert werden. So wird beispielsweise der selektive Mutismus als eigenständige Angststörung gelistet. Hierbei handelt es sich um ein plötzliches Verstummen von Kindern bis hin zu Erwachsenen in bestimmten, vorhersehbaren Situationen. Das Pathologische Horten wird vollkommen neu in die ICD aufgenommen, so dass nun auch das Messie-Syndrom als psychische Störung gilt. Außerdem wird Transsexualität als psychische Diagnose gestrichen und stattdessen als Gesundheitszustand definiert. Damit passt sich die ICD dem 21. Jahrhundert an.

Besonders hervorgehoben wurden jedoch die komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) sowie Burnout. Mit der ICD-11 wird die komplexe PTBS als erweitertes Krankheitsbild zur einfachen Posttraumatischen Belastungsstörung aufgenommen. Die einfache PTBS wird als Reaktion auf ein kurz- oder langanhaltendes Ereignis von außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß beschrieben. Diese Reaktion besteht aus einem Wiedererleben der Geschehnisse in Form penetranter Erinnerungen. In diesem Zusammenhang werden dann Situationen vermieden oder gefürchtet, die solche Erinnerungen auslösen könnten. Außerdem kommt es zu einer Übererregtheit, die sich in Form von Schreckhaftigkeit, Aufmerksamkeitssteigerung etc. äußern kann. Bleibt die Posttraumatische Belastungsstörung unbehandelt, können sich daraus weitere Beeinträchtigungen ergeben: dann spricht man von einer komplexen PTBS. Jene Beeinträchtigungen betreffen eine mangelhafte Emotionsregulation, ein schlechtes Selbstbild und Probleme in der Beziehungsgestaltung. Dies kann vor allem Einfluss auf das Sozialleben der Betroffenen haben, weshalb eine Behandlung umso wichtiger ist. Die Aufnahme der komplexen PTBS in die Internationale Klassifikation psychischer Störungen ist wichtig, damit die Erkrankung angemessen therapiert werden kann.

Auch im Fall des Burnouts gibt es eine Änderung, welche die Definition betrifft. Damit eine klare Abgrenzung zu anderen psychischen Erkrankungen erfolgen kann, wird Burnout nun klar mit beruflichen Tätigkeiten verbunden. Damit werden die Symptome der Erschöpfung, der negativen Haltung, geistigen Distanz und des verringerten Leistungsvermögens eindeutig mit arbeitsrelevanten Aspekten in einen Zusammenhang gestellt. Auf diese Weise werden andere Krankheitsbilder wie Depressionen und Angststörungen besser erkannt, die einige Symptome mit dem Burnout teilen. In der neuen ICD wird Burnout als Faktor beschrieben, der den Gesundheitszustand beeinflusst.

Diese Neuerungen sind insofern relevant für das Mitteldeutsche Institut, weil viele unserer Teilnehmenden psychische Erkrankungen haben, die einer Behandlung bedürfen, damit ein erfolgreicher Einstieg in das Berufsleben möglich wird. Dies kann nur gewährleistet werden, wenn zu Beginn die richtige Diagnose festgestellt wird, da auf diese Weise die passende Therapie angewendet werden kann. Auf diese unterstützenden Hilfen kann bei der Arbeits- und Potenzialanalyse (APO), der Potenzial- und Arbeitsanalyse (PAA), der Feststellung zur Orientierung, Schulung & Integration (FOSI) sowie der Beratung, Unterstützung, Psychologischen Stabilisierung (BUS) zurückgegriffen werden. Diese Maßnahmen sind für den Bereich der Arbeitserprobung von Bedeutung. Festgestellt werden soll, in welchen Gebieten und in welchem Umfang die Teilnehmenden eine berufliche Tätigkeit aufnehmen können.

Auch im Bereich der Weiterbildungen gibt es Neuerungen, durch die unser Angebot erweitert wird. Hierbei handelt es sich um die Kaufmännische Modulare Qualifikation (KMQ) und die Berufspraktische Weiterbildung modular (BPW) in den Bereichen Pflege, Lager, Hauswirtschaft und Bewachung.

Mit der KMQ haben Sie die Möglichkeit, in den kaufmännischen Bereich wieder- oder neueinzusteigen. Das wird durch das modulare Konzept erleichtert, wodurch Sie die einzelnen Lerneinheiten individuell auf Ihre Fähigkeiten und Wissenslücken anpassen können. Hier haben Sie die Wahl zwischen einem Basismodul, diversen Fachmodulen in unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen sowie einer praktischen Phase, bei dem Sie das erlernte Wissen praktisch anwenden können. Bei der Berufspraktischen Weiterbildung können Sie ebenfalls von einem modularen Aufbau profitieren. Dadurch haben Sie auch hier die Möglichkeit, die Lehreinheiten an bereits vorhandenes Wissen anzupassen, so dass keine unnötigen Doppelungen entstehen. Hierbei erhalten Sie allerdings keinen Einblick in kaufmännische Berufe, sondern in die Bereiche Pflege, Lager, Hauswirtschaft und Bewachung.

Um noch stärker auf die Bedürfnisse der Teilnehmenden eingehen zu können, bieten wir nicht nur zwei unserer Weiterbildungen als modulare Lernkonzepte an, sondern planen auch noch die Einführung einer E-Learning-Plattform. Auf multimedialem Weg soll das Lernen dann jederzeit und von überall aus möglich sein. Auf allen mobilen Endgeräten und auch auf Desktop-PCs können Lernvideos, Präsentationen und Arbeitsblätter abgerufen werden. Das ermöglicht nicht nur ein sehr flexibles, sondern auch ein lebenslanges Lernen. Denn durch die Nutzung einer E-Learning-Plattform können die Teilnehmenden das Lernangebot am besten in den Alltag integrieren. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass das Angebot des Präsenzunterrichts in unserem Institut wegfällt. Es wird lediglich durch das E-Learning ergänzt.

Wir vom MIQR Chemnitz freuen uns bereits auf diese Veränderungen und sind gespannt, was wir den Kostenträgern im nächsten Jahr berichten werden.

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